{"id":24,"date":"2019-02-27T11:13:23","date_gmt":"2019-02-27T10:13:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www-1.steinzeitdorf-randau.de\/?page_id=24"},"modified":"2021-11-26T17:42:52","modified_gmt":"2021-11-26T16:42:52","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/?page_id=24","title":{"rendered":"Jungsteinzeit"},"content":{"rendered":"\n<p><span class=\"has-inline-color has-vivid-green-cyan-color\">Letzte \u00c4nderung: 26. November 2021<\/span><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von der Linienbandkeramik-Kultur bis zur Sch\u00f6nfelder Kultur  <\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-2-columns is-layout-flex wp-container-3\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow\">\n<p>Die Gegend um Magdeburg-Randau war und ist eine Fluss- und Auwaldlandschaft. Die Menschen wurden hier mit dem \u00dcbergang vom Wildbeutertum zu Ackerbau und Viehzucht im Fr\u00fchneolithikum in H\u00e4usern sesshaft. Die Gegend um Magdeburg ist das n\u00f6rdlichste bekannte Siedlungsgebiet der Linienbandkeramiker. Diese Kultur breitete sich rapide vor rund 7.500 Jahren von Nordwestungarn (Plattensee\/Balaton) \u00fcber Mitteleuropa (Pariser Becker bis Ukraine) aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nachbau eines <strong>mehr als 7.300 Jahre alten <\/strong> <strong>Langhauses<\/strong> <strong>der j\u00fcngeren Linienbandkeramik-Kultur<\/strong>, dessen \u00dcberreste ca. 25 km von Randau gefunden wurden, bezeugt, dass die Menschen schon zu Beginn der Jungsteinzeit derartige H\u00e4user von 25 bis oft 40 Metern L\u00e4nge in den damaligen Mischw\u00e4ldern aus Eichen, Linden, Ulmen und Eschen bauen konnten. Unsere Rekonstruktion beweist, dass ihre handwerklichen F\u00e4higkeiten sehr hoch entwickelt  waren. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>4.500 Jahre<\/strong> ruhten die Reste eines jungsteinzeitlichen <strong>Pfostenhauses aus der Sch\u00f6nfelder Kultur<\/strong> in der Randauer Erde. Sie waren in der  Talsandd\u00fcne am  urspr\u00fcnglichen Ufer der (alten) Elbe in einem Meter  Tiefe verborgen. Das inzwischen etwas  k\u00fchlere und feuchtere Klima f\u00fchrte dazu, dass sich die Eichen auf die Ebenen zur\u00fcckgezogen hatten und Buchen dominierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Nahrung standen pflanzliche Proteine, aber nur wenig Fleisch zur  Verf\u00fcgung. Das erhielten haupts\u00e4chlich M\u00e4nner und Alte.  <\/p>\n\n\n\n<p>Das deutet auf eine zunehmende Spezialisierung, Individualisierung und Hierarchisierung im Sp\u00e4t- und Endneolithikum hin.     <\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow\">\n<p class=\"has-very-dark-gray-color has-very-light-gray-background-color has-text-color has-background\"><strong>Steinzeit<\/strong><br>In bzw. f\u00fcr Mitteleuropa wird die Zeit zwischen 600.000 und 4.050 vor heute als Steinzeit bezeichnet. Man unterscheidet die <em>Altsteinzeit<\/em> (Pal\u00e4olithikum), die <em>Mittlere Steinzeit<\/em> (Mesolithikum, 11.600 bis 8.000 vor heute) und die <em>Jungsteinzeit<\/em> (Neolithikum).<br><br>Die <strong>Jungsteinzeit<\/strong> begann in Mitteleuropa mit der Einf\u00fchrung von Ackerbau und Viehhaltung in der Zeit der Bandkeramik-Kulturen ca. <strong>7.500 und endete gegen 4.050 vor heute<\/strong> mit dem \u00dcbergang zur Bronzezeit. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Abfolge der Kulturen von der Jungsteinzeit bis zur Fr\u00fchbronzezeit in Mitteldeutschland <\/h4>\n\n\n\n<p>Man gliedert die Jungsteinzeit (Neolithikum) in Fr\u00fch- (7.500 bis 6.900), Mittel- (6.900 bis 6.400), Jung-  (6.400 bis 5.300), Sp\u00e4t- (5.300 bis 4.800) und Endneolithikum (4.800 bis 4.050 vor  heute). Mit der Jungsteinzeit begann ein neues Kapitel in der Evolution der Menschheit &#8211; das Erdzeitalter des Anthropoz\u00e4ns. <\/p>\n\n\n\n<p>Als arch\u00e4ologische Kultur bezeichnet man einen r\u00e4umlich und zeitlich abgegrenzten Ausschnitt der <em>materiellen Kultur<\/em>, also keineswegs soziale oder kulturelle Verb\u00e4nde, auch wenn die zumeist kartografische Darstellung von Kulturen dies suggeriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gro\u00dfteil der nomadischen Wildbeuter wurden wahrscheinlich in der Magdeburger B\u00f6rde zu Beginn der Jungsteinzeit  vor rund 7.500 Jahren durch die Neuank\u00f6mmlinge einer ersten Einwanderungswelle nach Norden abgedr\u00e4ngt oder lebten in Parallelgesellschaften. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Neuank\u00f6mmlinge geh\u00f6rten zu einer Leapfrog-Expansionskette vom fruchtbaren Halbmond \u00fcber Kleinasien und Nordwestungarn bis Zentraleuropa, ein Prozess der vor ca. 8.200 Jahren in Anatolien begann. <\/p>\n\n\n\n<p>Die sesshaften Linienbandkeramiker hinterlie\u00dfen uns Getreideanbau, Vorratswirtschaft, Haustiere,  Holzh\u00e4user und Kultanlagen. In nachfolgenden Jahrhunderten kam es langsam zur Vermischung mit Nachfahren der J\u00e4ger und Sammler. Neue Seuchen sprangen von Tieren auf den Menschen \u00fcber und entv\u00f6lkerten ganze Gebiete.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zu Hirten, Viehz\u00fcchtern und Ackerbauern gewandelten Nachfahren der verdr\u00e4ngten Wildbeuter kamen aus Skandinavien und der norddeutschen Tiefebene vor rund 5.100 Jahren nach einer Periode gr\u00f6\u00dferer Klimaschwankungen in den Harzschatten zur\u00fcck und \u00fcbernahmen die Region. Die Abk\u00f6mmlinge der Trichterbecherkultur brachten Megalithgr\u00e4ber, Dolmen und Menhire, Ochsengespanne mit Schulterjoch, und den Holzpflug mit. <\/p>\n\n\n\n<p>Vor rund 4.800 Jahren erreichte die Magdeburger B\u00f6rde eine dritte Einwanderungswelle aus der russischen Steppe. Die Schnurkeramiker nutzten vierr\u00e4drige Wagen mit mehrteiligen Scheibenr\u00e4dern und Deichsel. Sie brachten die Idee des Individuums und eine bipolare Grabsitte mit. Vermutlich ensteht das Konzept der Familie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schnurkeramikerkultur ersetzten im Elbe\/Saalewinkel fast komplett die alten Kulturen. Als Ursache wird die mitgebrachte Pest angesehen, der die alten Bewohner nichts entgegensetzen konnten.  <\/p>\n\n\n\n<p>Rund dreihundert Jahre sp\u00e4ter brachte die vierte und letzte Einwanderungswelle der Jungsteinzeit &#8211;  die Glockenbecherkultur &#8211;  von der Iberischen Halbinsel die Kenntnisse der Nichteisen-Metallgewinnung, Kupferdolche, Armschutzplatten f\u00fcr Bogensch\u00fctzen, Kurzb\u00f6gen und Feinkeramik in die B\u00f6rde. Auch sie brachten die Idee des Individuums und eine (gegengesetzte) bipolare Grabsitte mit. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Ideen der Schnurkeramiker und Glockenbecherleute manifestierten sich in Mitteldeutschland und gingen in der der nachfolgenden fr\u00fchbronzezeitliche Aunjetitzer Kultur auf, die Grabsitte wurde monopolar. Oft betrachtet man diese Kulturen als Einheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt haben die vier Einwanderungswellen der Jungsteinzeit mit bis zu drei Vierteln zum Erbgut der heutigen Bev\u00f6lkerung Zentraleuropas beigetragen. Der restliche Anteil des Erbguts stammt von den Wildbeutern des Mesolithikums und wohl bis zu zwei Prozent von den Neandertalern. Der heutige Europ\u00e4er ist genetisch weitestgehend mit dem Menschen der Fr\u00fchbronzezeit identisch.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Abfolge der Kulturen in Mitteldeutschland<\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Fr\u00fchneolithikum<\/strong> (Holzzeit)<\/p>\n\n\n\n<ul><li><em>Linienbandkeramik-Kultur<\/em>, ca. 7.500 bis 6.800 vor heute<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Mittelneolithikum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Stichbandkeramik-Kultur, ca. 6.900 bis 6.600 vor heute<\/li><li>R\u00f6ssener Kultur, ca. 6.600 bis 6.450 vor heute<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Jungneolithikum<\/strong> (Kupferzeit)<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Gaterslebener Kultur (erste Kupferartefaktfunde in Mitteleuropa), ca. 6.500 bis 6.000 vor heute<\/li><li>Michelsberger Kultur, ca. 6.300 bis 5.400 vor heute <\/li><li>Baalberger Kultur, ca. 6.000 bis 5.400 vor heute <\/li><li>Tiefstichkeramik-Kultur (regionale Variante nordwestdeutscher Trichterbecher-Kulturen), ca. 5.700 bis 5.350 vor heute<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Sp\u00e4tneolithikum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Salzm\u00fcnder Kultur (regionale Variante der Trichterbecher-Kulturen, hervorgegangen aus der Baalberger Kultur), ca. 5.400 bis 5.100 vor heute<\/li><li>Walternienburger Kultur, ca. 5.350 bis 5.100 vor heute (gleiche zeitliche Einordnung: Gletschermumie \u00d6tzi, S\u00fcdtirol) <\/li><li>Bernburger Kultur, ca. 5.100 bis 4.650 vor heute (erstmals Salzgewinnung im Raum Sachsen-Anhalt) nachweisbar)<\/li><li>Elb-Havel-Kultur, ca. 5.100 bis 4.650 vor heute<\/li><li>Ende paralleler mesolithischer Nischenkulturen (zumeist Fischer) durch Assimilation mit neolithischen Bauernkulturen, ca. 5.000 vor heute <\/li><li>Kugelamphoren-Kultur, ca. 5.100 bis 4.650 vor heute<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Endneolithikum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><em>Sch\u00f6nfelder Kultur<\/em>, ca. 4.800 bis 4.200 vor heute (zeitliche Einordnung: Cheopspyrymide, \u00c4gypten, ca. 4.600 vor heute)   <\/li><li>Schnurkeramik-Kultur, ca. 4.800 bis 4.200 vor heute<\/li><li>Einzelgrab-Kultur (n\u00f6rdliche Schnurkeramik), ca. 4.800 bis 4.200 vor heute <\/li><li>Glockenbecher-Kultur\/Ph\u00e4nomen, ca. 4.500 bis 4.050 vor heute, damit ist die Nutzung von Zinnbronze eng verkn\u00fcpft.<br>(zeitliche und kulturelle Einordnung: Kreisgrabenanlagen von P\u00f6mmelte und Sch\u00f6nebeck, 10 km von Randau, ca. 4.300 bis 4.050 bzw. 4.200 bis 4.000 vor heute)<\/li><li>Entwicklung des Kupferbergbaus und grundlegender Techniken der Metallurgie (Kupfersteinzeit) in Mitteleuropa, (grob ca.) 5.300 bis 4.200 vor heute. Um 4.500 vor heute tauchte im heutigen Mitteldeutschland Kupfer als Werkstoff auf. <\/li><li>Dominierend wurde ca. 4.200 bis 4050 vor heute die Glockenbecher-Kultur. Der \u00dcbergang in die Fr\u00fchbronzezeit war flie\u00dfend. In Mitteleuropa endete die Bronzezeit vor etwa 2.800 Jahren.             <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Fr\u00fchbronzezeitliche Aunjetitzer Kultur,  ca. 4.200 bis 3.600 vor heute<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Pr\u00e4gende mitteleurop\u00e4ische, stark hierarchisierte Kultur, F\u00fcrstengr\u00e4ber (z. B., das Leubinger F\u00fcrstengrab bei S\u00f6mmerda, 1942 v. Chr.) und Himmelsscheibe von Nebra (ca. 1600 v. Chr. deponiert), Nutzung des Pfluges mit vorgespannten Rindern\/Ochsen (zeitliche Einordnung: Herausbildung der mykenischen Kultur im antiken Griechenland; ca. 3.600 vor heute), Auftauchen der ersten Hauspferde. Die Aunjetitzer Kultur formte sich aus Schnurkeramikern, Glockenbecherleute und Resten regionaler Kulturen (Einzelgrab- und Sch\u00f6nfelder Kultur).     <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Linienbandkeramik-Kultur (ca. 7.500 bis 6.800 v. heute) <\/h4>\n\n\n\n<p>Die Linienbandkeramik-Kultur erhielt ihre Bezeichnung nach den Bandmustern auf den gebrannten Tongef\u00e4\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Verbreitungsgebiet der Bandkeramik reichte vom Pariser Becken im Westen bis zum Schwarzen Meer im Osten. In der ersten Phase (ca. 7.500 bis 7.200 v. heute) war die Kultur recht einheitlich gepr\u00e4gt. In der zweiten Phase (ca. 7.200 bis 6.800 v. heute) bildeten sich regionale Unterschiede heraus, die letztlich zu regionalen Folgekulturen f\u00fchrten. So sind Befestigungen zur Verteidigung nachweisbar, Handlungen &#8222;kollektiver Gewalt&#8220; verbreiteten sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Linienbandkeramik-Kultur war eine der \u00e4ltesten b\u00e4urischen Lebensformen Europas und markierte in Mitteldeutschland den Beginn von Ackerbau, Viehhaltung (domestizierte Schafe, Ziegen, Rinder, Schweine) und der damit verbunden Sesshaftigkeit. Man schliff Steine und webte am Webstuhl Textilien aus Leingarn und sp\u00e4ter manchmal auch aus Wolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bandkeramik kam durch Migration von Menschen aus der mittleren Donauregion innerhalb von ein- bis zweihundert Jahren  hierher. Deren Vorfahren kamen wiederum urspr\u00fcnglich aus dem Gebiet des fruchtbaren Halbmonds im nahen Osten, m\u00f6glicherweise Anatolien. <\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde in der N\u00e4he von Wasserl\u00e4ufen auf fruchtbarem L\u00f6ssboden im Waldmeer gesiedelt. Bestattungen erfolgten siedlungsnah in Einzelgr\u00e4bern oder Gr\u00e4berfeldern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die H\u00e4user der Linienbandkeramik-Kultur waren die ersten ortsfesten Geb\u00e4ude Mitteleuropas. Die Langh\u00e4user erreichten im Extremfall eine Grundfl\u00e4che von bis zu 40 x 8 m.  Vieh wurde nicht im Haus gehalten. Die D\u00e4cher bandkeramischer H\u00e4user waren &#8211; je nach Verf\u00fcgbarkeit &#8211; mit Reet, Binsengras, Stroh, Soden oder z.B. Baumrinde gedeckt. <\/p>\n\n\n\n<p>Drei parallele Jochpfostenreihen zur Aufnahme der Dachlast sowie aus lehmverputztem Flechtwerk und teilweise Spaltbohlen bestehende Au\u00dfenw\u00e4nde bildeten ein vierschiffiges Haus in Nordwest (Wetterseite)-S\u00fcdost (Sonnenseite)-Ausrichtung. Der Mittelteil des Hauses enthielt eine zun\u00e4chst Y-f\u00f6rmige Pfostenanordnung, die sich in der ausgehenden Linienbandkeramik-Kultur zunehmend verlor. Lag hier ein Eingang?<\/p>\n\n\n\n<p>Das bandkeramische Haus in Randau wurde ebenerdig rekonstruiert: Eingeteilt in einen kleineren von Spaltbohlen gesch\u00fctzten Schlafteil, in einen gro\u00dfen Mittelteil zum Arbeiten und Wohnen mit offener Kochstelle, Backofen, Mahlstein und vielleicht Webstuhl sowie in einen S\u00fcdteil als Lagerbereich mit Zwischenboden und vielleicht auch als Schlafplatz f\u00fcr Minderpriveligierte. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man aber eine typische obere Hanglage, die Vermeidung von Hochwasser, Staun\u00e4sse und Bodenerosion ber\u00fccksichtigt, kann man sich ein bandkeramisches Haus auch als (zumindest teilweise) von Boden abgehobenes Geb\u00e4ude vorstellen. <\/p>\n\n\n\n<p>Der nordwestliche Teil des Geb\u00e4udes lag m\u00f6glicherweise auf dem Gel\u00e4nde auf. Ihn umgab ein Graben.  Vielleicht war sogar die gesamte Gescho\u00dfebene aufgest\u00e4ndert. Es erscheint nachvollziehbarer, dass der mit Spaltbohlen eingefasste Raum eher der Lagerung zu sch\u00fctzender G\u00fcter, denn als Schlafplatz gedient hat, da er am weitesten vom Eingang an der S\u00fcdostseite entfernt war.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit zunehmender Hausl\u00e4nge erh\u00f6hte sich der Abstand zum Boden im s\u00fcd\u00f6stlichen Hausteil am Hang. Doppelpfosten nehmen hier die zus\u00e4tzlichen Lasten auf.  <\/p>\n\n\n\n<p>Die am Hang aufgest\u00e4nderte Fussboden k\u00f6nnte als teilweise als Balkon, als Speicher oder als  Arbeitsfl\u00e4che gedient haben. Vielleicht hat man den Raum darunter als Schweinekoben genutzt? <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/lbk-haus2-1024x1024.jpg\" alt=\"Eingang Langhaus der Linienbandkeramiker\" class=\"wp-image-409\" srcset=\"https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/lbk-haus2-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/lbk-haus2-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/lbk-haus2-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/lbk-haus2-768x768.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><span class=\"has-inline-color has-light-green-cyan-color\">Eingang Langhaus der Linienbandkeramiker<\/span><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst wurden Einkorn und Emmer, sp\u00e4ter wurden auch Nacktgerste und freidreschender  Weizen angebaut. Als fettliefernde Pflanzen wurden Lein, Flachs und Schlafmohn und &#8211; wohl nur sehr selten &#8211; die H\u00fclsenfr\u00fcchte Linsen und Erbsen genutzt. Der Anbau erfolgte vermutlich im kleinfl\u00e4chigen intensiven Hackbau auf dauerhaft bewirtschafteten Fl\u00e4chen ohne D\u00fcngung in einer Art Gartenkultur.  <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Versorgung von zehn Personen mussten etwa zwei Hektar Land (ohne die dazwischenliegenden Baumst\u00fcmpfe) bewirtschaftet werden. Wahrscheinlich beachtete man schon Fruchtfolgen, um die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten. Etwa 60 %  Kalorienbedarfs wurde durch Getreide- und \u00d6lpflanzen gedeckt. Daneben wuchsen Lein, Mohn, Erbsen, R\u00fcbsen und Linsen. Die restlichen 40 % lieferte der Wald mit Sammelfr\u00fcchten und Wildkr\u00e4utern.   <\/p>\n\n\n\n<p>Die typische Siedlungsform war der Weiler aus mehreren Langh\u00e4usern. Das Territorialgebiet eines Weilers umfasste ungef\u00e4hr 700 ha. Zu jedem Langhaus geh\u00f6rte eine Schwendbau-Ackerfl\u00e4che von ungef\u00e4hr 3 ha. Man nahm an, in einem Langhaus h\u00e4tte eine Sippe von 20 bis 40 Personen gelebt. Heute tendiert man aufgrund der geringen Lebenserwartung von <em>durchschnittlich<\/em> 36 Jahren (M\u00e4nner) und 28 Jahren (Frauen) sowie der hohen S\u00e4uglingssterblichkeit eher zu f\u00fcnf bis zu zw\u00f6lf Personen.  <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sch\u00f6nfelder Kultur (ca. 4.800 bis 4.200 v. heute)<\/h4>\n\n\n\n<p>Der Name Sch\u00f6nfelder Kultur leitet sich vom eponymen Fundort Sch\u00f6nfeld im Landkreis Stendal her. Er wurde 1910 von Paul Kupka erstmals verwendet, der im Jahr 1905 das dortige Gr\u00e4berfeld ausgegraben hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Sch\u00f6nfelder Kultur existierte als regionale Kultur des Endneolithikums beidseitig im Elberaum von B\u00f6hmen bis zum Hannoverschen Wendland und schwerpunktm\u00e4\u00dfig zwischen n\u00f6rd\u00f6stlichem Vorharz, mittlerer Elbe (z.B. in <strong>Randau bei Magdeburg<\/strong>) und unterer Havel. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Sch\u00f6nfelder Kultur war der &#8211; die von den Schnurkeramikern mitgebrachte Pest \u00fcberlebende &#8211; einheimische Nachfolger der  Trichterbecher, Bernburger, Elb-Havel und Kugelamphoren Kulturen (ca.  5.100 &#8211; 4.650 vor heute). Die Kugelamphorenkultur der <em>Fischbecker Gruppe<\/em> im Raum Stendal wird als ihre Fr\u00fchphase angesehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die regionale Sch\u00f6nfelder Kultur lebte in Koexistenz zusammen mit den \u00fcberregionalen Erscheinungen Schnurkeramik- und Glockenbecherkultur,  wobei ein von der Glockenbecherkultur dominierter Assimilierungsprozess einsetzte, der die Kulturen mit dem Beginn der Fr\u00fchbronzezeit zur Aunjetitzer Kultur verschmolz.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sch\u00f6nfelder Kultur verlief als Regionalgruppe des Endneolithikums entlang der Elbe nahezu zeitgleich mit der  Schnurkeramik- und der Glockenbecherkultur, bewahrte jedoch lange Zeit  ihre Eigenheiten. Bemerkenswert ist der Sonnenkult, eine denkbare Wurzel f\u00fcr die fr\u00fchbronzezeitliche Aunjetitzer Kultur. Der Sonnenkult deutet auf eine auf einen H\u00e4uptling zugeschnittene Hierarchisierung der Kultur. Ungew\u00f6hnlich ist auch ihre Grabkultur der Feuerbestattung.<\/p>\n\n\n\n<p>In der entwickelten Sch\u00f6nfelder Kultur lassen sich zwei regionale  Untergruppen unterscheiden, die sich um Magdeburg \u00fcberschneiden:  <\/p>\n\n\n\n<ul><li>Ammenslebener Gruppe (Mitte Sachsen-Anhalts)<\/li><li>Sch\u00f6nfelder Nordgruppe (Norden Sachsen-Anhalts).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Siedlungen lagen stets in hochwassersicher in Flussn\u00e4he, manchmal unweit von Siedlungen zeitgleicher Kulturen. In bis zu rund zwanzig Meter langen Pfostenh\u00e4usern mit Firstdach (wie in Randau) befanden sich Feuerstellen in abgetrennten R\u00e4umen sowie eine Viehstallung, vielleicht, weil Schafs\/Ziegenk\u00e4se hergestellt wurde? <\/p>\n\n\n\n<p>Andere Deutungen gehen nur von einer Nutzung als Scheune aus, die Stallhaltung von Vieh sei noch nicht \u00fcblich gewesen. Rund die H\u00e4lfte der Haustiere bestand aus Rindern (Zugtier), ein Drittel aus  Schafen\/Ziegen (Milch), der Rest aus Schweinen (Fleisch) und Hunden. Wildtiere und  Fischfang spielten eher eine untergeordnete Rolle.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/szdorf1-1024x768.jpg\" alt=\"Eingang Langhaus der Sch\u00f6nfelder Kultur\" class=\"wp-image-413\" srcset=\"https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/szdorf1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/szdorf1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/szdorf1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><span class=\"has-inline-color has-light-green-cyan-color\">Eingang Langhaus der Sch\u00f6nfelder<\/span><br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Als neue Getreideart erschien Dinkel neben anderen Spelzweizen. Statt Nackt- wird jetzt vornehmlich Spelzgerste angebaut. Wald-Feldbau und Brandwirtschaft des Mittel- und Jungneolithikums wurden zu Gunsten der Mistd\u00fcngung aufgegeben. Weidewirtschaft und eine geh\u00f6lzfreie, gr\u00fcnlandartige Vegetation nahmen zu. Die Rolle einer \u00f6rtlichen Salzgewinnung sollte noch untersucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zur Sch\u00f6nfelderkultur wurde die Schnurkeramik- und Glockenbecherkultur \u00fcberwiegend durch Grabfunde belegt. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Keramik der Sch\u00f6nfelder Kultur ist \u00fcberwiegend stichverziert und von hoher Qualit\u00e4t. Als Ornamente sind Zickzacklinien und Furchenstichlinien bekannt. Besonders auff\u00e4llig sind verzierte flache Kalottenschalen mit Sonnensymbolik. <\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig treten Funde von &#8211; in anderen Kulturen eher ungebr\u00e4uchlichen &#8211; Querschneider-Pfeilspitzen auf. Sie verursachen gr\u00f6\u00dfere und st\u00e4rker blutende Wunden, dringen aber nicht so tief ein wie spitze Pfeilspitzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das auff\u00e4lligste Merkmal der Sch\u00f6nfelder Kultur ist die Brandbestattung, die in den anderen Kulturen un\u00fcblich war. Eventuelle Beigaben wurden mit auf den Scheiterhaufen gegeben. Der Leichenbrand wurde zumeist in keramischen Kalottenschalen in Flachgr\u00e4bern siedlungsnah beigesetzt, teilweise kam es zu Nachbestattungen in Megalithgr\u00e4bern.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das Wunder der Rekonstruktion in Randau <\/h4>\n\n\n\n<p>Sieben Umst\u00e4nde und Zuf\u00e4lle erm\u00f6glichten 2000 bis 2004 die Rekonstruktion des Sch\u00f6nfelder Hauses auf dem M\u00fchlberg in Randau.<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Vor rund 4.500 Jahren wurde das Haus von seinen Erbauern und Bewohnern \u00fcberst\u00fcrzt verlassen. Die Reste wurden vom Wind mit Sand zugeweht und konserviert.<\/li><li>Die Talsandd\u00fcne wurde f\u00fcr den Ort Randau zum M\u00fchlberg. In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde die alte Windm\u00fchle abgerissen. Der M\u00fchlenplatz wurde zur Sandgrube.<\/li><li>1940 fand man Tonscherben und Verf\u00e4rbungen im Sand. Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Hans Lies sperrte die Fundstelle ab. Von 1941 bis 1943 wurde der Fund gesichert, geborgen, dokumentiert und Museen \u00fcbergeben.<\/li><li>Im Krieg und in den Nachkriegsjahren wurde die gesamte Talsandd\u00fcne abgebaggert. Die leere Sandgrube wurde dann als M\u00fcllkippe benutzt. In den 60er Jahren wurde die M\u00fcllkippe saniert und aufgef\u00fcllt. Sie harrte seitdem auf eine Rekultivierung.<\/li><li>Die Idee, das Steinzeithaus zu rekonstruieren, reifte in den K\u00f6pfen. im Jahr 2000 f\u00fcgten sich drei Dinge zusammen:<br>Die Stadt Magdeburg konnte ABM-Ma\u00dfnahmen und das Arbeitsamt F\u00f6rdermittel vergeben. In Randau hatte sich 1997 ein F\u00f6rderverein gegr\u00fcndet, der die Tr\u00e4gerschaft \u00fcbernehmen w\u00fcrde.<\/li><li>2001 bis 2003 entstand die Rekonstruktion des Steinzeithauses der Sch\u00f6nfelder Kultur mit Palisadenzaun, Wassergraben und Trockengraben. Die Rekonstruktionen eines 1.200 Jahre alten Grubenhauses und eines Lehmbackofens sowie eine H\u00fctte f\u00fcr Darbietungen bilden die Umrahmung. 2007 kamen die Rekonstruktion eines 7.500 Jahre alten Langhaus der Linienbandkeramiker und 2009 ein Mehrzweck- und Sanit\u00e4rgeb\u00e4ude dazu. 2019 wurde die Backofen\u00fcberdachung neu errichtet.<\/li><li>Breit war Unterst\u00fctzung durch B\u00fcrger und  Ortschaftsrat Randau,  Randauer Bodendenkmalpfleger Wagner, \u00f6rtliche  Forstverwaltung,  Agrar GmbH Randau, freiwillige Feuerwehr Randau, Bundeswehr, Theaterverein Randau, Anglerverein Randau, F\u00f6rderverein Randau und ortsans\u00e4ssige Handwerker.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die Rekonstruktionen im Steinzeitdorf Randau zeigen, dass sich die jungsteinzeitliche Pfostenbausweise bew\u00e4hrt hat. Sie hat sich weit \u00fcber 6.000 Jahre bis an die Schwelle des Fachwerkbaus im Mittelalter erhalten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC_2522a-1024x684.jpg\" alt=\"Grubenhaus\" class=\"wp-image-221\" srcset=\"https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC_2522a-1024x684.jpg 1024w, https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC_2522a-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC_2522a-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.steinzeitdorf-randau.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/DSC_2522a.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><span class=\"has-inline-color has-vivid-green-cyan-color\">Grubenhaus<\/span><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte \u00c4nderung: 26. November 2021 Von der Linienbandkeramik-Kultur bis zur Sch\u00f6nfelder Kultur Die Gegend um Magdeburg-Randau war und ist eine Fluss- und Auwaldlandschaft. Die Menschen wurden hier mit dem \u00dcbergang vom Wildbeutertum zu Ackerbau und Viehzucht im Fr\u00fchneolithikum in H\u00e4usern sesshaft. Die Gegend um Magdeburg ist das n\u00f6rdlichste bekannte Siedlungsgebiet der Linienbandkeramiker. 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